Gustav Horn , Till van Treeck
19 Seiten · 6,43 EUR
(Februar 2011)
Aus der Einleitung der Herausgeber:
Horn / van Treeck gehen in ihrer Ausarbeitung über die Finanzkrise hinaus und rücken die tieferen strukturellen Ursachen für die Schwere und Dauer der Finanz- und Wirtschaftskrise in den Blickpunkt. Diese strukturellen Ursachen sehen sie in der Unterregulierung der Finanzmärkte, den Ungleichgewichten im internationalen Handel und in der gestiegenen Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen. Horn / van Treeck konzentrieren sich auf den zweiten und dritten der Ursachenkomplexe, die nicht unabhängig voneinander sind. Fitoussi / Stiglitz folgend legen sie dar, dass aufgrund der zunehmenden Ungleichheit der Einkommen die benachteiligten Schichten in den USA (darunter weite Teile der Arbeitnehmerschaft, deren Realeinkommen trotz steigender Produktivität gesunken sind) ihren Lebensstandard dadurch sicherten, dass sie sich in erheblichen Umfang verschuldeten (insbesondere für Immobilienkäufe). Der durch die ebenfalls hohen Budgetdefizite angeheizte Boom führte zu hohen Importen, denen niedrige Exporte gegenüberstanden, sodass die amerikanischen Auslandsverbindlichkeiten in die Höhe schnellten. Bei wichtigen Handelspartnern entstanden wegen der auch dort sehr ungleichen Einkommensverteilung hohe Ersparnisse, die direkt oder indirekt in US-amerikanischen Papieren angelegt wurden.
Eine Dollarabwertung, die zu einem Ausgleich der US-amerikanischen Leistungsbilanz hätte beitragen können, wurde so unterbunden. Horn / van Treeck schildern im Detail diese gegensätzliche Auswirkung der steigenden Ungleichverteilung auf die gesamtwirtschaftliche Ersparnis für die USA und für Deutschland. Sie heben hervor, dass in Deutschland die Lohnzurückhaltung über Jahrzehnte hinweg zur Ungleichverteilung der Einkommen genauso entscheidend beigetragen hat wie zu den ständigen Exportüberschüssen. Diese Ausrichtung der Lohnentwicklung droht, die Ungleichgewichte in den Außenhandelsbeziehungen, insbesondere innerhalb des Euroraums, immer weiter zu verschärfen.
Im letzten Abschnitt verweisen die Autoren darauf, dass die Schlussbetrachtungen von Keynes im letzten Kapitel seiner "General Theory" einen strategischen Orientierungsrahmen liefern, um die aufgezeigten Ungleichgewichte zu bekämpfen. Keynes? Überlegungen betreffen eine gleichmäßigere Einkommensverteilung, u. a. durch sinkende Vermögenseinkommen wegen abnehmender Zinssätze, eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte, eine gesellschaftliche Steuerung des Gesamtvolumens der Sachinvestitionen sowie internationale Kooperation statt Merkantilismus und Krieg.