Irene Antoni-Komar und Reinhard Pfriem
35 Seiten · 7,24 EUR
(Dezember 2010)
Aus der Einleitung:
Kenneth Boulding identifiziert 1972 in "Toward the Development of a Cultural Economics" eine seit Adam Smith abnehmende Beschäftigung bzw. Vermeidungsstrategie der Ökonomik mit dem Kontext Kultur. Die Ökonomik konzentriere sich in fortschreitendem Maße auf abstrakte Berechnungen, während sie die Bezüge zur Kultur als "real world" aus den Augen verloren habe. Auf dem Hintergrund dieses Befundes lautet eine unserer wesentlichen Argumentationen, dass die unter Bezug auf das zweite Hauptwerk von Adam Smith (1776) seit nun mehr als zwei Jahrhunderten tragende Konstruktionsidee der modernen Ökonomik als eines isolierbaren und isolierten Systems zu revidieren ist. Aufbauend auf Forschungsarbeiten der letzten Jahre im Feld nachhaltiger Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft, betrachten wir eine kulturalistische Perspektive, die den kulturellen Kontext integriert, als zukunftsfähige Neuorientierung für wirtschaftswissenschaftliche Untersuchungen. Die Berücksichtigung des kulturellen Kontextes verschiebt die Beantwortung der Ausgangsfrage des Projektes, woran die Verbreitung nachhaltiger Konsummuster scheitert, vom individuellen Entscheidungshandeln zur Interaktion der Akteure und koppelt diese an das Problem der kulturellen Kompetenzen als praktischem, kontextbezogenem Wissen. Damit wird gegenüber homo-oeconomicus-Konzepten akzentuiert, dass Kosten-Nutzen-Abwägungen von kollektiven Wissensrepertoires überlagert werden, die inkorporiert und performativ in den Praktiken eingesetzt werden. Im Folgenden werden wir die kulturalistische Perspektive näher begründen und auf den praxistheoretischen Ansatz beziehen. Anschließend werden die im WENKE2-Projekt generierten Ergebnisse aus den qualitativen Untersuchungen der beiden Praxisfelder "Häuslicher Energiekonsum" und "Ernährungskonsum" vorgestellt. Es ist zudem kein Zufall, dass die kulturalistische Orientierung im Rahmen unserer Forschungsarbeiten durch die Beschäftigung mit der Konsumseite an Bedeutung gewonnen hat, denn gerade in Konsumtheorien lässt sich eine wachsende Affinität zum Kontext Kultur identifizieren.