Christoph Sprich
"Hochschulschriften" · Band 97
Dissertationsschrift
312 Seiten · 36,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-89518-660-8
(März 2008)
Personenindex
Beschreibung
Die Wirtschaftswissenschaft geht normalerweise davon aus, daß sich Menschen perfekt rational verhalten. Sollte diese Annahme nicht stimmen, dann müßten viele Aussagen von Ökonomen auf den Prüfstand!
Der Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek hat deshalb deutlich darauf hingewiesen, daß sich die Wirtschaftswisenschaft auch mit verhaltenstheoretischen Grundlagen beschäftigen muss. In seinem erkenntnistheoretischen Buch "The Sensory Order" skizziert er, wie Wahrnehmung und Denken funktionieren. Dabei stellt er den Menschen zwar als durchaus eigeninteressiert und zielgerichtet dar - nicht jedoch als perfekt rational. Er zeigt, wie rationales Verhalten erst durch die kontinuierliche Sammlung von Erfahrungen möglich wird.
Christoph Sprich vergleicht die Erkenntnistheorie Hayeks mit modernen und verbreiteten erkenntnistheoretischen Ansätzen verschiedener Wissenschaftsdisziplinen und versucht dabei, eine Konzeption programmbasierter Rationalität zu skizzieren. Die Arbeit stellt den "homo oeconomicus", einen wesentlichen Ausgangspunkt der heutigen Wirtschaftswissenschaft in Frage und versucht auf der Grundlage der Überlegungen Hayeks den Ansatz für eine Alternative anzubieten.
dem Verlag bekannte Rezensionen (Auszüge)
"Wie der Titel schon signalisiert, handelt es sich hier um kein einfaches Werk - aber um ein umso grundlegenderes. Sprich zeigt auf, dass der aus einer Naturwissenschaftlerfamilie stammende und lebenslang interdisziplinär interessierte Hayek bereits in den 30er Jahren die Fehler der Homo oeconomicus-Modelle erkannte und dagegen argumentierte: Der Mensch sei ein evolviertes Wesen, also weder zu perfekter Wahrnehmung noch vollendeter Rationalität fähig. Deswegen seien Marktmodelle, die auf solchen unrealistischen Menschenbildern aufbauten, von Anfang an tautologisch: Es könnten nur Forderungen nach perfekten Märkten dabei heraus kommen, das wahre Wirtschaftsgeschehen aber werde in keiner Weise abgebildet. ...
Der Münchener Philosoph Julian Nida-Rümelin bemerkte im Februar 2011 im Interview mit Reinhard Breuer von Spektrum der Wissenschaft, dass die Frage nach dem Verständnis von "Rationalität" zur "Grundlagenkrise der Ökonomie" geworden sei. Ich kann ihm - als jemand, der Arbeit und theoretische Einführung in diesem Bereich selbst erlebt hat -, nur aus ganzem Herzen zustimmen: Umso länger die Ökonomie an den völlig falschen Grundannahmen der Homo oecononomicus-"Modelle" festhält, umso größer ist der Schaden, den sie dadurch in Wissenschaft, Politik- und Öffentlichkeitsberatung anrichtet.
Selbstverständlich ist es ärgerlich, dass sich der echte Mensch Homo sapiens oft so wenig rational und einsichtsvoll verhält und damit geradezu dazu einlädt, auf "vereinfachten" Modellen potemkinsche Dörfer aufzubauen. Doch wo das geschieht, können auch die entsprechenden Empfehlungen nicht stimmen - der weitgehende Vertrauensverlust gerade auch der Wirtschaftswissenschaften während der letzten Jahre spricht hierzu Bände.
Die Dissertationsarbeit von Christoph Sprich ist dagegen keine leichte Kost, aber inhaltlich absolut lohnend für jede(n), die oder der sich für die Grundlagen von Ökonomie, für die Konstruktion von Menschenbildern, für Evolutionsforschung und für Erkenntnistheorie(n) interessiert. Lassen Sie sich diesen auch philosophisch überaus anregenden Leckerbissen keinesfalls entgehen!"