Claudia Dalbert
18 Seiten · 5,52 EUR
(März 2010)
Aus der Einleitung der Herausgeber:
Psychologisch liegt eine der bedeutenden Leistungen von Religion in der Unterstützung von Sinnfindung auch in schwierigen Situationen. Claudia Dalbert untersucht dies am Beispiel der ‚Gerechten-Welt-Hypothese‘ von Melvin J. Lerner, eines vielgenutzten Ansatzes für diese Dimension. Ausgangspunkt ist hier die Beobachtung, dass es ein starkes menschliches Bedürfnis gibt, an eine im Großen und Ganzen gerechte Welt zu glauben, in der man in etwa das bekommt, was einem zusteht. Bedrohungen dieser Auffassung durch beobachtete oder erfahrene Ungerechtigkeiten werden durch verschiedene Mechanismen der Rationalisierung neutralisiert, z.B. durch Zuschreibung einer Selbstverschuldung bei Opfern. Es entsteht dadurch ein Paradoxon: gerade bei Relevanz des Glaubens an eine gerechte Welt wird Ungerechtigkeit gerechtfertigt und damit zu ihrer gesellschaftlichen Zementierung beigetragen. Es existieren zwei verschiedene und nicht zwingend miteinander verbundene Dimensionen: der Glaube an eine gerechte Welt in Bezug auf die eigene Person und der an eine allgemein gerechte Welt, mit jeweils eigenen Charakteristiken. Kanonisierte Religion und Gerechte-Welt-Glaube haben dabei zwar eine enge Beziehung, aber die Verbindung ist nicht zwingend. Das implizite Gerechtigkeitsmotiv kann sogar als der grundlegendere soziale Kitt gesehen werden und ein Verlust in dieses Basisvertrauen ist persönlich wie gesellschaftlich gravierend.