Hans Ulrich Eßlinger
Entwicklungsökonomisches Denken in Großbritannien
Zum Beitrag der deutschsprachigen wirtschaftswissenschaftlichen Emigration nach 1933
"Hochschulschriften" · Band 51
Dissertationsschrift
336 Seiten · 39,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 3-89518-220-6
(Mai 1999)

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Beschreibung
Die Entwicklungsökonomie als eigenständige wirtschaftswissenschaftliche
Disziplin ist in den Jahren während und unmittelbar nach
dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Entscheidende Impulse dazu gingen
von jenen Wirtschaftswissenschaftlern aus, die aus dem deutschen
Sprachraum sowie den Ländern Ost- und Südosteuropas
vor dem Nationalsozialismus nach Großbritannien fliehen
mußten.
Begünstigt wurde die Entstehung der neuen Disziplin in Großbritannien
u.a. durch den mit der Keynesschen Theorie eingeläuteten
Paradigmenwechsel, die heterodoxe intellektuelle Herkunft der
Emigranten, die Planungserfordernisse im Rahmen der britischen
Kriegswirtschaft und zur Vorbereitung der Wiederaufbauphase sowie
durch das erfolgreiche »Lobbying« südosteuropäischer
Exilregierungen in London für Entwicklungspläne in dieser
Region.
Die Arbeit verknüpft diese unterschiedlichen Themenstränge
zu einem Tableau des frühen entwicklungsökonomischen
Denkens. Vor einem institutionengeschichtlichen Hintergrund werden
die Forschungsbeiträge von H.W. Arndt und P.N. Rosenstein-Rodan,
teilweise bislang unveröffentlichte Beiträge von F.A.
Burchardt, E.F. Schumacher und K. Mandelbaum sowie das Forschungsprogramm
des aus Rumänien stammenden D. Mitrany in einem dogmenhistorischen
Kontext analysiert. Damit werden in dieser Studie nicht nur die
Wirkungen des durch den Nationalsozialismus ausgelösten 'brain
drain' für die Herausbildung einer jungen Forschungsdisziplin
exemplarisch dargelegt, sondern vor allem wichtige intellektuelle
Wurzeln der Entwicklungsökonomie sichtbar.
Inhalt
Einführung
Theoretische und methodische Herangehensweise - Paradigmen
in der Entwicklungsökonomie
Einflußfaktoren auf die Theoriebildung in der Entwicklungsökonomik
- Ökonomische Rahmenbedingungen
- Zielformulierungen in der frühen entwicklungsökonomischen
Diskussion
- Wirtschaftstheoretische Bausteine der Entwicklungsökonomik
3.1 Zum Beitrag der ökonomischen Orthodoxie
3.2 Klassische Politische Ökonomie
3.3 Schumpetersche Entwicklungstheorie
3.4 Externalitäten und steigende Skalenerträge als
Ursachen des Marktversagens
3.5 Die Keynessche Revolution
3.6 Zur Planungsdebatte in Rußland in den 1920er Jahren
Von den kriegswirtschaftlichen zu den entwicklungsökonomischen
Studien - der britische Beitrag
- Wissenschaftsorganisation am Nuffield College
- Das Oxford Institute of Statistics
- Das Royal Institute of International Affairs
- Rosenstein-Rodan zu den Problems of Industrialisation
of Eastern and South-Eastern Europe
- Gemeinsame Forschungsaktivitäten von Nuffield College
Social Reconstruction Survey, Oxford Institute of Statistics und
Chatham House
- Entwicklungsökonomische Ansätze am Political
and Economic Planning
Die Bedeutung der intellektuellen Biographien der emigrierten
Entwicklungsökonomen
- Zu den intellektuellen Karrieren der emigrierten Ökonomen
- Grundmuster der Emigrationswege
2.1 Die Emigration nach Großbritannien als Zwischenstation
und als endgültiges Zufluchtsland
2.2 Emigration in die Vereinigten Staaten und in andere Zufluchtsländer
- Emigration und Entwicklungsökonomik - das Beispiel
Hans W. Singer
Schlußbemerkung
- Anhang 1:
- Nuffield College Private International Conference. Prospects
of Economic Development in South-Eastern Europe
- Anhang 2:
- Committee on Reconstruction. Economic and Statistical
Seminar of British and Allied Economists
- Anhang 3:
- Lebensdaten der emigrierten deutschsprachigen Mitarbeiter
des OIS und des RIIA 1939 bis 1945
- Anhang 4:
- Biographische Daten zu den Entwicklungsökonomen
unter den deutschsprachigen wirtschaftswissenschaftlichen Emigranten